Welches Zielfernrohr? Ansitzjagd

Wie finde ich ein passendes Zielfernrohr? Dazu finden wir zuerst einmal den Zweck heraus….

Aber anfangs ein kurzes Vorwort: Wenn „alte Hasen“ diesen Text lesen und sich über die „seichte Normalsprache“ wundern – mea culpa – er ist geschrieben für die Jungjäger(innen) [weiterhin alle als JJ bezeichnet und wir sagen hier mal „Du“]. Und als JJ ist man eben noch nicht so tief im historisch gewachsenen Jägerjargon verwurzelt. Kommt ja noch!

Also finden wir den Zweck heraus, um ein passendes Zielfernrohr für Deinen ganz speziellen Zweck zu finden. Dieser leitet sich ganz einfach von der Jagdart ab, die Du ausüben möchtest: Drückjagd/Treibjagd, Ansitzjagd, Pirsch oder Nachtjagd?

ANSITZJAGD

Gemütlich auf den Hochsitz steigen, den Ansitz, und leise und geduldig abwarten (ansitzen), ob ein nettes Rehböcklein oder Schweinchen in Sicht und auch noch unvorsichtig in Reichweite kommt und dann natürlich auch Jagdzeit hat, das ist die Ansitzjagd. Sehr entspannend. Die alte Weisheit „10 x sitzen, 1 x schießen“ ist gar nicht so verkehrt. Und je lichtschwacher Dein Glas ist, desto mehr kommst Du an die 10 heran. Physik eben!

Für die Ansitzjagd benötigst Du ein Zielfernrohr, auch oft als Glas bezeichnet, dass erst einmal bestimmte Dinge können muss (gute Bildbrillanz, Lichttransmission, Sehfeld, Kontrast, Randschärfe und Farbtreue setzen wir bei unseren Gläsern als gegeben):

  1. einstellbare Vergrößerung: Wird zum Beispiel angegeben als 2,5-10 x 50. Diese ist ganz wichtig, da Du ja örtlich „festgenagelt“ bist auf Deinem Ansitz. Je nachdem, wie komfortabel und wo Du aufgebaumt hast, sitzt Du ja vielleicht auf einem dünnen, zugigen Brettchen an einem Baum, einem hoffentlich nicht wackligen mobilen Ansitz oder in einer gemütlichen, rund herum umschlossenen Schlafkanzel für 4 Personen, und hast das entsprechende Fenster in Vorzugsrichtung aufgeklappt. Da Du ja nicht wissen kannst, in welcher Entfernung das Stück (Reh, Säulein, Fuchs usw.) von Dir entfernt stehen wird, ist eine einstellbare Vergrößerung unerlässlich. Du musst das Ziel also optisch „heranholen“ können, da Du dich ja nicht annähern kannst. Um einen waidgerechten, ordentlichen, schnell letalen (tödlichen) Schuss anzutragen (zu platzieren), solltest Du die Vergrößerung lautlos und auch mit Handschuhen ändern können. Die optische Vergrößerung für Schüsse im gewöhnlichen Wald- und Feldrevier sollte auf jeden Fall bis 10-fach gehen, damit Schüsse bis ca 200 m noch kontrolliert möglich sind. Ein Glas mit der Vergrößerung 2,5-fach bis 10- oder 15-fach ist also eine gute Entscheidung für den Ansitz. Manche Gläser gehen erst bei 5-fach los und enden bei 25-, 30-fach oder noch mehr. Schlechte Wahl für das Revier, aber super Wahl für die Gebirgsjagd oder über richtig weite Entfernungen, wie man sie z. B. bei der Großwildjagd in Afrika findet. Eine Vergrößerung ab 2,5 bietet sich für den JJ eben auch an, wenn er neben dem Ansitz auch schon mal an einer Drückjagd teilnehmen kann. Aber dazu mehr im Bereich DRÜCKJAGD
  2. Objektivdurchmesser: Wird zum Beispiel angegeben als 2,5-10 x 50. Da gehen die Meinungen (manchmal) auseinander. Was aber ganz und gar sicher ist – je größer der Objektivdurchmesser, desto mehr Licht kann gesammelt werden, desto länger kannst Du ansitzen, desto sicherer wirst DU erkennen, ob Du einen Schuss antragen wirst oder nicht. Also lieber ein ZF mit 58 mm, als eines mit „nur“ 50 mm? Ja und nein. Der ältere Jäger, dessen Pupillendurchmesser nicht mehr so groß sein kann, dass sich ein 56 oder gar noch größeres Glas rentiert, kann ruhig zum 50 mm-Glas greifen, Materialschlacht nutzt hier nix, kann sich aber schon um etliche Euro in der Anschaffung bemerkbar machen. Der JJ aber: Kaufe Dir ein großes Glas, auch wenn es dadurch ein paar Gramm im Gesamtgewicht zulegt (was aber dann nur so 100 g sind) – JJ sind doch kräftige Frauen und Männer!
  3. Absehen in der 2. Ebene: Das Absehen (Fadenkreuz oder sonstige zur Zielerfassung im Glas befindliche Markierungen) dienen ja nach Art und Aussehen nicht nur zum Zielen, sondern auch zum Messen der Entfernung, dazu gehört jedoch schon ein gehöriges Maß an Übung (mehr dazu im Lexikon). Bei früheren und auch heute im unteren Preissegment befindlichen ZF (Zielfernrohren) hat(te) man ein Problem: Drehst Du am Vergößerungsregler, wird nicht nur das Bild des Zieles größer, sondern dummerweise auch das Absehen. Das Absehen sollte sich aber eigentlich nicht vergrößern, denn je größeres wird, desto mehr vom Ziel verdeckt es – ein Teufelskreis! Kaufst Du also eine der günstigeren Optiken, empfiehlt es sich, auf das Absehen in der ersten Bildebene zurückzugreifen, da hier Produktionsmängel nicht so starke Auswirkungen haben. Diese führen wir aber nicht bei Jagdabsehen. Verwendest Du also ein ZF mit einem Absehen in der 2. Bildebene, solltest Du nicht an der Optik sparen. Optiken aus dem mittleren Preissegment bekannter Markenhersteller, sind für den JJ bereits sehr gut und vollkommen ausreichend.
  4. Leuchtpunkt: Gönne Dir einen Leuchtpunkt! Wenn man zum ersten Mal einen regelbaren Leuchtpunkt in der Mitte des Absehens hat, gerade wenn es dämmert, ist das eine regelrechte Offenbarung und man will nichts Anderes mehr, da das Grau in Grau der (fast)Nacht multipliziert mit dem feinen Absehen addiert mit dem unstrukturierten Hintergrund verschwimmt, potenziert mit der Aufregung einer erkannten Bewegung. Und jetzt kommt der feine Leuchtpunkt ins Spiel: Nicht mehr darüber nachdenken, dass sich das „crosshair“, wie der Engländer zum Fadenkreuz sagt, mit dem Wildkörper deckt – denn man sieht das Absehen manchmal ja kaum noch, einfach den kleinen Punkt zum Zielen benutzen. Wo der Punkt ist, geht auch die Kugel hin! Sicher! Hier ist es wichtig darauf zu achten, dass man den Dot (Leuchtpunkt) am Besten stufenlos von grell hell für Jagd in der prallen Sonne des Hochsommers bis hin zu dünnem Glühen für die Jagd bei fast Dunkelheit regeln kann. Hier müssen wir nochmals auf die Bildebene zurückkommen: Für integrierte Leuchtpunktabsehen empfehlen wir ausdrücklich die 2. Bildebene für das Absehen, da der kleine Leuchtpunkt bei einem Hochdrehen der Vergrößerung seine Größe durch eigenes Anwachsen nicht zur kleinen Sonne ändern soll und somit nicht den gesamten Wildkörper verdeckt – hier ist kein sicheres Zielen mehr möglich und wird sich irgendwann rächen, wenn das Stück abspringt mit einem Gescheideschuss (in den Verdauungstrakt) und nicht in die Kammer (wo sich u. A. die für einen schnell letalen Schuss zu treffenden Organe wie Herz und Lunge befinden) oder einem Lauf- oder Äserschuss und eine, oft stunden- oder gar tagelange Nachsuche nach sich ziehen kann.
  5. Batterie: Achte darauf, dass Dein mit Leuchtpunkt ausgestattetes ZF eine Standardbatterie benötigt, und nicht irgendwelche teuren Ohren-Akkustiker-Sondertypen. Als Standard gilt heute CR 2032, CR 2016, CR 2025, CR 123 usw. Diese CR-Batterien sind nicht wiederaufladbare Batterien, das verhindern elektronische Bauteile im Inneren, also gar nicht erst versuchen. Das „C“ bedeutet übrigens Lithium-Mangandioxid, das sind die zwei Schichten im Inneren der Batterie, die die Energie erzeugen; das „R“ steht ganz einfach für Rund. Die Zahlen 2032 bedeuten z. B. 2,0 mm dick und 32 mm Außendurchmesser der Batterie.
  6. Garantie: Mindestens 10 Jahre, eher zu Herstellern gehen, die 30 Jahre Garantie anbieten

Zusammenfassung:
Jäger jünger als 45 Jahre Glas mit Leuchtabsehen auf 2. Bildebene, Vergrößerung 2,5-10, Objektivdurchmesser >= 56mm
Unsere Empfehlung: Gerade für JJ zählt doch der Euro, klasse Glas, 30 Jahre Garantie und günstig: 56 mm-Kosten/Nutzensieger
Jäger Alter > 45 Jahre Glas mit Leuchtabsehen auf 2. Bildebene , Vergrößerung 2,5-10, Objektivdurchmesser 50mm
Unsere Empfehlung: Gerade für JJ zählt doch der Euro, klasse Glas, 30 Jahre Garantie und günstig: 50 mm-Kosten/Nutzensieger